13. MärzDie letzten Tage ...14. März15. MärzHeute morgen waren wir in der Kirche. Es scheint, dass keiner irgendwelche Schäden hatte. Der Gottesdienst und auch die Gespräche hinterher waren sehr von dem Thema Erdbeben erfüllt. Es beschäftigt die Leute sehr.Man rechnet damit, dass in den nächsten Tagen ein weiteres Erdbeben von der Stärke 7 kommen kann, manche sprechen von 70% Wahrscheinlichkeit. Heute abend in den Nachrichten wurde berichtet, dass ab morgen geplante Stromsperren folgen werden weil die Stromversorgung fürs ganze Land nicht ausreicht. So wissen wir nicht, wann wir ohne Strom sein werden und darum auch eventuell nicht auf Nachrichten von euch reagieren können. Dorothea war gestern und heute im Geschäft und war erstaunt, die Regale leer zu finden. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Einmal gibt es Hamsterkäufe, dann aber werden die vom Erdbeben betroffenen Gebiete zuerst mit Lebensmitteln beliefert. Wir haben aber genug zu essen und es ist auch warm genug, einen Stromausfall zu überstehen. Wasser haben wir auch schon genug gelagert. Einige hatten nach dem Missionsehepaar aus Sendai gefragt, von denen wir noch keine Bestätigung hatten. Wir haben nun gehört, dass sie in Sicherheit sind. Sie konnten auf dem Takayama Berg (Hügel) Zuflucht finden. Ihr Auto, dass am Fuße des kleinen Hügels steht, wurde weggewaschen, aber Nähreres wissen wir noch nicht. Wir haben diese Nachrichten nur über Umwege erhalten.Wir wissen jetzt, wann es den Stromausfall geben wird. In unserer Gegend hier von 9:20 bis 13:00 und abends von 18:20 bis 22:00. Das soll für einige Wochen fortgeführt werden. Kerzen haben wir genug, aber das wird unser Leben für die nächsten Wochen recht verändern. Die ersten Mitarbeiter sind am Vorbereiten, in die betroffene Gegend zu fahren. 10:00: Die Elektrizität ist immer noch an, evt. wird es keinen Stopp geben, sagen sie in den Nachrichten. Kurz nach 10:00 war wieder ein starkes Beben und wir haben es in der Stärke 4 hier erlebt. Aber keine Schäden.Leute machen sich Sorgen wegen dem Kernkraftwerk. Im Fernsehen wird gesagt, dass die Situation noch nicht unter Kontrolle ist. Im Moment ist der Wind noch günstig, er weht aufs Meer, aber am Dienstag abend soll er drehen und auf Tokio hin wehen. 11:20: Gerade wird berichtet, dass es bei dem Fukushima Kraftwerk wieder eine Explosion gegeben haben soll. Aber es gibt noch keine sichere Meldung.21:45: Es ist Abend geworden. Hier bei uns hat es keine Stromsperren gegeben, aber in anderen Teilen im Großraum Tokio. Es soll jeden Tag neu entschieden werden, wo der Strom abgeschaltet wird. Dorothea war heute wieder einkaufen, keine einfache Sache, wenn die Regale in den Geschäften fast leer sind wegen Panikkäufen. In einem großen Kaufhaus in der Nähe standen im ganzen langen Konservenregal nur noch drei Gläschen Sauerkraut!!! (eine Delikatesse, die die Japaner nicht kennen) und einige Döschen Champignons. Da hat Dorothea natürlich „zugeschlagen“. Wir erwarten in den nächsten Tagen Hilfsteams vom Ausland, die hier in Ichikawa Zwischenstation machen werden, bevor sie weiter in den Norden zum Helfen reisen, die müssen dann beköstigt werden. Bilder wie das nebenstehende sind wir von Japan nicht gewohnt.In den Hauptnachrichten vom Abend, die über eine Stunde lang waren, wurde nur ca. 1 Minute dem Problem am Kernkraftwerk gewidmet. Auf einem anderen Programm hörten wir aber weitere Nachrichten, dass Druck abgelassen werden muss. Wir verfolgen dies auch auch sehr im Internet. Von den japanischen Medien wird im allgemeinen uns versichert, dass nur eine kleine Gefahr für Tokio droht.Die Erde ist weiterhin immer wieder am Wackeln, aber es gab am Nachmittag nur ein größeres Beben hier im Großraum Tokio.Bis spät abends gab es Email zu beantworten, Anfragen per Telefon oder Skype. Besonders in Deutschland ist man beunruhigt über die Sicherheit der Missionare und wir wollen diese Sorgen ernst nehmen.Die Information, dir wir hier in Japan offiziell erhalten, geben keinen Grund zur Panik. Wir erkundigen uns an allen möglichen Stellen, um so gut wie möglich informiert zu sein.Heute Nachmittag treffen wir uns wieder im Krisenstab, um über mögliche Konsequenzen zu beraten. Es gab in den letzten 24 Stunden noch einige Erdbeben, aber sie sind nicht mehr so oft und stark.22:45:gerade bin ich aus dem Büro nach Hause gekommen nach einem schön vollen Tag. Heute morgen schrieb ich noch, dass es keine stärkeren Erdbeben gab, das war auch heute den Tag über so, aber gerade vor 10 Minuten war ein recht starkes, das im Süden von der Tokio Gegend (in der Nähe vom Fujijama) die Stärke 6 hatte. Auch sonst hat es am Abend immer wieder mal “geschaukelt”. So könnte man wahrscheinlich am besten das Gefühl wiedergeben, die Erde bewegt sich langsam hin und her, dass einem fast schlecht wird.Wir haben heute immer wieder die Meldungen vom Kraftwerk verfolgt. Es hat wieder einen Brand gegeben, aber die letzte Meldung war, dass die Radioakivität um das Kraftwerk herum sehr abgenommen hat. Es ist für uns als Laien sehr schwer zu verstehen, was wirklich los ist. Gestern berichtete ich, dass nur 1 Minute dem Kraftwerk in den Haupnachrichten gewidmet wurde, heute abend waren es 35! Die Botschaft war nicht zu überhören. Heute abend bin ich gebeten worden zwei Interviews bei einem Christlichen TV Sender zu geben. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, life ca. 15 Minuten über die Lage hier berichten zu können. Da ist so viel Interesse an Japan weltweit. Dorothea schreibt:„Wer festen Herzens ist, dem bewahrst du Frieden; denn er verlässt sich auf dich. Darum verlasst euch auf den HERRN immerdar; denn Gott der HERR ist ein Fels ewiglich.“ (Jes.26,3-4)Dies Wort in einem Email hat mir heute so gut getan!Die Nachrichten überschlagen sich, widersprechen sich (Japanische, Englische, Deutsche..). Wem soll man glauben? Wie werden die nächsten Stunden und Tage aussehen? Wir können uns nur fest an den Herrn halten und ihm vertrauen. Es ist so gut zu wissen, dass unser Leben in Seiner starken Hand ist.Wolfgang hat ein Japan Krisenmanagement-Team gebildet, das täglich per Skype zusammen über die aktuelle Situation und nächste Schritte spricht und entscheidet. Die beiden Regionalleiter, unser medizinischer Berater (Arzt), unser Verwaltungs- und Finanzleiter, Wolfgang und zwei weitere Missionare gehören zum Team. Heute haben sie die schwerwiegende Entscheidung getroffen, unsern über 100 Missionaren freizustellen, ob sie evakuieren möchten, besonders im Blick auf unsere vielen jungen Familien. Wir sind dankbar, dass die meisten von ihnen in Hokkaido sind, das doch relativ weit (800km) von Fukushima entfernt ist. Doch Evakuierungen werden schwierig sein. Es gibt wenig Benzin zu kaufen, viele Züge fahren nicht, die Flüge sind zum großen Teil voll gebucht....Wir haben keine Ahnung, wie sich die einzelnen entscheiden werden. Unser Platz ist erst mal hier in Japan.Danke für all eure Gebete für das japanische Volk, die Christen, Missionare, Rettungsteams und Helfer, die Regierung und uns! Gerade bebt die Erde wieder leicht. Man gewöhnt sich selbst beim hundersten Mal nicht daran, es könnte doch immer der Anfang eines größeren Bebens sein. 16. März5:00 Die Nacht war kurz und ich bin auf, weil ich nicht mehr schlafen kann. Es gehen einfach zu viele Gedanken im Kopf herum. Gemeinden:Auf mein letztes Email von gestern hat jemand gefragt wie es den Gemeinden geht. Es gibt eine Webseite auf Japanisch, wo die Information gesammelt wird, besonders über die Pastoren und Gemeinden in den betroffenen Gebieten. Die Gemeinden der ÜMG und auch unseres Gemeindeverbandes sind alle verschont geblieben. Selbst von Christen aus den Gemeinden haben wir bisher von keinen Verlusten gehört. In Vorbereitung auf das Interview gestern bin ich die lange Liste durchgegangen, die im Internet zu sehen ist. Von den meisten Gemeinden wird berichtet, dass sie keine Schäden haben und ihre Pastoren bewahrt blieben. Dann gibt es eine ganze Reihe von Gemeinden, wo nur steht, dass es keine Nachrichten gibt. Das kann natürlich einfach bedeuten, dass diese Gemeinden noch kein Internet haben oder der Strom noch nicht wieder da ist. Die Tsunami hat die Küstengebiete getroffen und viele Orte in der Gegend sind nur klein und hatten keine Kirche. Wenn ich mehr erfahre, werde ich es aufschreiben.Erdbeben von gestern abend:Ich erwähnte, dass gestern abend kurz vor 11 Uhr Japan Zeit ein stärkeres Erdbeben war. Das Epizentrum war im Landesinnere bei Shizuoka, in der Nähe des Fujijamas. Die Stärke auf der Richterskala war 6, also die gleiche Stärke wie hier am Freitag. Es wird nur von kleinen Schäden berichtet. Auch das Kernkraft-werk, das in der Gegend liegt ist unbeschadet geblieben. 20:30Weitere Erdbeben:heute mittag gab es wieder ein stärkeres Erdbeben mit dem Epizentrum in Nord Chiba, nicht zu weit von uns entfernt. Bei uns hat bei Stärke 4 die Erde recht gewackelt. Ich war gerade zu Mittag zu hause bei Dorothea. Aber es gab scheinbar keine größeren Schäden. Sonst sind immer wieder kleinere Erdstösse zu spüren.Stromabschaltung:Im Großraum Tokio, besonders in den Aussengebieten, wird abwechselnd zu bestimmten Zeiten der Strom abgestellt. Bei uns war es heute nachmittag für 3 Stunden der Fall. Wie gut, dass es Batterien am Laptop gibt. Evakuierung:Seit wir gestern es unseren Missionaren freigestellt haben, kurzfristig in ein anderes Gebiet von Japan zu gehen oder das Land zu verlassen, haben einige Frauen davon Gebrauch gemacht. Meist sind es Frauen mit Kindern, bisher hat noch kein Mann das Land verlassen. Andere bereiten sich vor, kurzfristig umzusiedeln, sollte sich die Lage verschlimmern.Kernkraftwerk:Ihr seid gut informiert über Internet und Nachrichten. Es ist erstaunlich, wie verschieden die Lage eingeschätzt wird. Wir können über das Internet auch dt. Nachrichten empfangen, wissen daher etwas, wie berichtet wird. Heute abend in den NHK Hauptnachrichten wurde viel über die Probleme am KKW Fukuschima berichtet, aber dann auch deutlich gesagt, dass für den Großraum Tokio zur Zeit keine Gefahr besteht. Die amerikanische Botschaft hat heute morgen eine Erklärung abgegeben, dass sie noch keine Evakuierung für nötig halten. Hier eine etwaige dt. Übersetzung:... “Nach sorgfältiger Analyse von Daten, Strahlenbelastung, und Schadenfest-stellung aller Anlagen in Fukushima stimmen unser Experten mit der Antwort und den Maßnahmen überein, die die japanischen Fachleute unternommen haben, das schließt auch die Empfehlung des 20km Radius für Evakuierung und 30km für weitere Schutzräume ein.”Falls jemand das ganze Statement haben möchte, schicke ich es gerne zu. Auch die englische Botschaft soll eine ähnlich lautende Erklärung abgegeben haben.So ist es verständlich, dass es nicht einfach ist, richtige Entscheidungen zu treffen. Seit gestern sind weitere amerikanische Experten hier, die die Lage untersuchen. Gemeinden:Heute habe ich von einer Gemeinde etwas nördlich von Sendai gehört, deren Gemeindehaus vollständig zerstört worden sein soll. Näheres war noch nicht zu erfahren.Größte Hilfe:Es werden immer mehr Leute ermutigt, für Japan zu beten. Einmal um Hilfe bei der großen Not, dann aber auch, dass Gott dieses Geschehen in Japan zum geistlichen Segen für die 127 Mill benutzen möge.16. März - Dorothea beantwortet Fragen für eine ZeitungDorothea wurde von einer Zeitung gebeten, einige Fragen zu beantworten. Hier ihre Antworten:Aktuelle Lage in Tokyo (aus meiner Sicht):Obwohl heute morgen die Sonne scheint (ein schöner Frühlingstag), liegt es wie eine dunkle Wolke auf uns allen. Auf der 5 gleisigen Eisenbahnstrecke, die gleich an unserm Haus vorbeiführt und auf der normalerweise im 2 Minuten Takt lange, meist überfüllte Züge vorbeifahren, kommt nur hin und wieder ein Zug vorbei, man sieht kaum Leute auf der Strasse, die Geschäfte sind durch Hamsterkäufe fast leer gekauft. Wer kann, bleibt zuhause und schaut Nachrichten. Auf den Hauptstraßen stauen sich die Autos und vor den Tankstellen sind lange Schlangen, da der Benzin pro Auto auf 20 l rationiert ist. Alle sind erschüttert, betroffen, angespannt, besorgt. Es scheint, dass einige Mütter mit ihren Kindern Tokyo verlassen und zu Verwandten weiter im Süden Japans reisen. Flüge aus Japan raus sind nur noch schwer zu bekommen.Notvorrat: Wir hatten einiges an Vorräten im Haus, dazu konnte ich vor einigen Tagen noch das eine oder andere kaufen, Brot backe ich selbst, so haben wir ausreichend zum Leben für die nächsten Tage/ Wochen für uns und auch um andere mit zu verköstigen, wenn nötig.Stromsperren: Bisher sind die angesagten Stromsperren in unserm Gebiet noch nicht eingetreten. Es ist seltsam, man stellt sich drauf ein, hat vorgekocht, Kerzen und Taschenlampe bereit, schnell noch einige Emails versandt und rechnet mit dem angesagten Stromausfall, der dann doch nicht kommt. Für heute ist Stromsperre von 15:00-19:00 bei uns angesagt. Mal sehen!Radioaktive Strahlen: Neben dem japanischen Fernsehen werden wir übers Internet mit englischen und deutschen Nachrichten und Emails überschüttet, viele Informationen sind wiedersprüchlich und es ist nicht leicht zu wissen, wem und was zu glauben. Es ist ein ständiges Wechselbad der Gefühle. Die letzten Informationen von der Englischen und Amerikanischen Botschaft sind eher beruhigend, auch von der Deutschen Botschaft haben wir noch keine Aufforderung zur Evakuierung oder so was bekommen. Am einfachsten ist, ich schicke dir mal einiges und du kannst selbst sehen. Nachdem in den ersten Tagen im japanischen Fernsehen wenig von einer evt. atomaren Katastrophe und größerer Strahlengefahr erwähnt wurde, wird seit gestern abend sehr ausführlich alles mögliche erklärt und berichtet, aber wissen wir natürlich nicht.Kollegen in der betroffenen Region. Wir haben drei Mitarbeiter Ehepaare/bzw. Familien. Eine Familie war zur Zeit des Bebens in Tokyo zu Besuch, eine Familie war in der Lage, uns zu verständingen, dass sie ok sind, wenn auch ohne Wasser und Strom, bei dem anderen Ehepaar, das dicht an der Küste wohnt, konnten wir über Tage nicht rausfinden, wie es ihnen geht. Über Umwege hörten wir dann, dass auch sie ok sind. Die Kollegen im Krisengebiet, überhaut alle Leute dort, sind am allerwenigsten informiert, da sie ohne Strom, Internet, Fernsehen, Telefon sind. Evt. mit SMS oder Handy können sie Infos bekommen oder schicken. So wissen wir noch nichts Genaueres. Unsere Infos sind die Berichte und Bilder im Fernsehen, die auch ihr gewiß seht.Evt. Ausreise: Da mein Mann Leiter unserer Mission ist mit ca. 120 Mitarbeitern und 40 Kindern (aus 14 verschiedenen Heimatländern), ist die Verantwortung groß und er ist total gefordert in der Sorge um unsere Missionare, anlaufende Hilfsmaßnahmen, einer Flut von Emails, Anrufen, Skype Konferenzen, Interviews ... Unser Platz ist zur Zeit hier und wir denken nicht an eine Evakuierung. Unser Leben und unsere Gesundheit liegen in Gottes Hand. Wir möchten in dieser schlimmen Zeit zur Verfügung stehen, Hilfe geben und koordinieren. Natürlich sind unsere Kinder, Eltern, Verwandte und Freunde besorgt um uns, aber sie stehen hinter uns und unterstützen uns im Gebet.Als Mission haben wir unsern Mitarbeitern eine Evakuierung innerhalb Japans, z.B. nach dem 800 km von Fukushima entfernten Hokkaido oder auch in die Heimat freigestellt, überlassen die Entscheidung aber den Einzelnen. Einige junge Mütter mit ihren Kindern sind schon auf dem Weg in ihr Heimatland oder nach Hokkaido, ihre Männer haben sich entschlossen hier zu bleiben und in dieser Zeit der Not, zum Teil auch mit Einsätzen im Krisengebiet zu helfen.