17. März Erdbeben 18. März 19. März Wir haben gut geschlafen und fühlen uns frisch und gesund. Hier in Ichikawa bei Tokio, wo wir wohnen, ist Sonnenschein. Damit ihr nicht nur Bilder von der Verwüstung sehen müßt, ist hier ein Blick heute morgen aus unserem Wohnzimmer. Viele, viele Emails erreichen uns, die Besorgnis ausdrücken. Vielen Dank für alle Sorge um uns. Glaubt uns, wir nehmen diese Sorge sehr ernst. 17:00 Inzwischen ist es nachmittag geworden. Viele Telefonate, Krisen-stab-Sitzung, Emails in die Heimatländer, usw. Einige Mitarbeiter haben das Land schon verlassen und andere sind am überlegen, ob sie es tun sollten. Wir als Leiter sehen weiterhin unseren Platz hier. Wir verfolgen sehr die Nachrichten, die die Botschaften herausgeben. Die verschiedenen Länder haben ihre Experten eingeflogen, um Rat zu geben. Auch diese Empfehlungen fallen sehr unterschiedlich aus. In der Bevölkerung hier wächst langsam die Besorgnis, aber es ist nicht zur Panik gekommen. Benzin ist weiterhin ein Problem, so manche Tankstellen sind geschlossen, an anderen bilden sich lange Schlangen. Unser Mitarbeiter im Büro brauchte eine Stunde, um an die Reihe zu kommen. Von den Mitarbeitern, die gestern von Aomori aus in die betroffenen Gebiete gefahren sind, hören wir die ersten Meldungen. Es ist hilfreich, nun Meldungen aus erster Hand zu haben, besonders über die betroffenen Gemeinden. Vielleicht kann ich morgen mehr darüber schreiben, wenn ich weiteres gehört habe. 22:00: Heute abend waren wieder zwei stärkere Beben. Gefreut haben wir uns über einen Anruf von zwei unserer Mitarbeiter, die sich seit gestern im Krisengebiet befinden. Sie sagten, die Zerstörung ist noch schlimmer als was man am Fernsehen sieht. Aber sie berichteten auch von einer kleinen Kirche, die sie besuchten. Die Gemeinde hat nur 12 Mitglieder und der Pastor dachte schon, dass die Gemeinde geschlossen werden sollte. Die Tsunami machte 2 Meter vor dem Kirchengebäude halt und das Gebäude wurde bewahrt. Das gab der Gemeinde eine neue Sicht und sie empfinden einen neuen Auftrag, in ihrer Umgebung für Jesus zu wirken. 22:45: Gerade habe ich noch ein Interview für einen Christlichen TV Sender in England gegeben. Dorothea berichtet: Nachdem ich vor drei Tagen bei meinem Einkauf 20 Minuten an der Kasse anstehen mußte für 3 Gläschen Sauerkraut, 2 Döschen Pilze und etwas Lauch, bin ich erst mal nicht mehr Einkaufen gewesen. Wir haben auch gut Vorräte im Haus. Eben habe ich mich doch wieder mal auf den Weg gemacht, um zu schauen, wie es jetzt im Geschäft aussieht und habe mich gefreut, dass es wieder einiges in den Regalen gibt, vielleicht ein fünftel von dem, was normalerweise da ist. Ich kam zurück mit Bananen, einer 2 l Flasche Wasser (jeder Kunde durfte nur eine nehmen!), einem Liter Milch und Keksen. Die Atmosphäre über der Stadt und in unserer Nachbarschaft ist recht bedrückend, nur wenige Leute sind unterwegs, wenige Züge fahren mit wenigen Leuten drin. Sonst sind die Züge um diese Zeit (17:30) voll wie Sardinendosen. Heute Nachmittag hatten wir wieder 3 Stunden keinen Strom, doch damit kann man gut zurechtkommen. Wie gut haben wir’s doch im Vergleich zu den Leuten im Krisengebiet! Heute vormittag haben wir uns mit den Mitarbeitern vom Büro zum Gebet getroffen, zusammen gesungen, Gott gelobt und alle Not und Ungewißheit zu Ihm gebracht. Psalm 107 hat uns ermutigt und getröstet: „..die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Weg, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten, die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete (V.4+5), die sitzen mußten in Finsternis und Dunkel (V.10)....“ beschreibt das nicht die Situation der Menschen im zerstörten Gebiet, wie sie verzweifelt in den Trümmern nach ihrem früheren Haus und Familienangehörigen suchen oder in Kälte und Dunkelheit in den Flüchtlingslagern sind? „Die dann zum Herrn riefen in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Ängsten“ – Ja, laßt uns miteinander zum Herrn rufen in dieser Not und erleben wie er uns errettet aus unsern Ängsten! Und möchten auch viele Japaner in dieser schlimmen Zeit beginnen zum Herrn zu rufen und seine Hilfe und Rettung erfahren! Nach einer guten Nacht sind wir gut gestärkt wieder erwacht für die Aufgaben des Tages. Der neueste Stand über das Kernkraftwerk wird erkundet über einheimische und ausländische Nachrichten und Internet Seiten. Gestern hatten wir eine geplante Stromsperre für 3 Stunden am Nachmittag, heute sind zwei Mal 3 Stunden für unser Gebiet angekündigt, am Vormittag und am frühen Abend. 20:00 Die erste Stromsperre heute morgen ging 3 Stunden, die zweite am Nachmittag fiel aus und wir hatten Strom. Im Fernsehen wird gesagt, dass man so viel wie möglich Strom sparen soll und es scheinen sich die Leute wirklich dran zu halten. Gestern wurden auch bei den Zügen hier in der Tokio Gegend eine weitere Einsparung von 10% gefordert, was die Zahl der Fahrten der Züge weiterhin verringert. Gestern abend gab es ein Chaos an einigen Bahnhöfen, weil die Leute lange Schlangen anstanden, bis sie überhaupt durch die Sperren gelassen wurden. Während es wieder mehr in den Geschäften zu kaufen gibt, ist das Problem weiterhin groß, genügend Treibstoff zu erhalten. Wir hören die verschiedensten Geschichten darüber: “Ich habe eine Stunde angestanden und dann 20 Liter erhalten.” - “Nach langem Anstehen gab es nur für 1.000 Yen Benzin (ca. 7-8 Liter)”. - “Ich habe mich in der langen Schlange angestellt und nach 3 Stunden merkte ich, dass die Tankstelle noch geschlossen war.” Viele Tankstellen sind geschlossen und viele Leute, die sich sonst auf den Weg machen würden, um ihre Verwandten und Freunde in der Tohoku Gegen zu besuchen und zu ermutigen, machen es nicht, aus Angst, sie könnten unterwegs steckenbleiben. Die Züge ausserhalb Tokios fahren aber auch, aber nicht unbedingt in die betroffenen Gebiete. Mehr und mehr Missionen ziehen ihre Mitarbeiter in die westlichen Regionen oder ins Ausland ab. Heute nachmittag hatten wir wieder eine Krisensitzung per Skype (was für eine Hilfe!), brachten die verschiedensten Informationen zusammen und bestätigten unsere am Dienstag beschlossene Entscheidung, es den einzelnen Mitarbeitern zu überlassen, ob sie evakuieren möchten oder nicht. Wie ich schon vorher erwähnte, haben es ca. 6 Leute gemacht. Neu ist aber, dass wir einen Platz zur evt. Evakuierung sicher gemacht haben. Wir sind sehr dankbar, dass die Missionsgesellschaft WEC International uns angeboten hat, bei ihnen unterzukommen, sollte eine Notwendigkeit dazu bestehen. Die Mitarbeiter wissen Bescheid, sie haben die nötigsten Sachen gepackt und können im Falle eines Problems mit dem Atomreaktor sich auf den Weg in den Südwesten machen. Das Zentrum des WEC ist zwischen Nagoya und Kyoto, also recht weit entfernt von Fukushima und Tokio. Aber wir hoffen sehr, dass das nicht nötig wird. Hilfsaktionen Die beiden Mitarbeiter, die für zwei Tage in den betroffenen Gebieten waren, sind gut zurückgekehrt, auch sie sagen, dass Treibstoff eins der nötigsten Dinge für die Leute ist. Sie sind froh, dass sie es geschafft haben, wieder gut nach Aomori zurückzukehren. Diese beiden Mitarbeiter haben in vielen Gesprächen in den Evakuierungszentren, Gemeinden, Pastoren, usw. nun identifiziert, was am meisten gebraucht wird. Diese Liste ist nun nach Hokkaido gegangen und als nächste Aktion werden wir versuchen, auch von Hokkaido aus, Hilfe zu bringen. Ein erstes Team von 6-7 Missionaren wird von Hokkaido aus mit der Fähre nach Aomori fahren und von dort weiter südlich, um mitzuhelfen, die Not zu lindern. Die beiden Aomori Mitarbeiter werden die Aktion leiten, weil sie die Gegenden kennen und schon für einige Tage unterwegs waren. Ein weiteres Problem ist, einen Lastwagen in Sapporo zu mieten. Was sonst nie ein Problem ist, ist auf einmal sehr schwierig. Aber das ist alles ein Tropfen auf den heißen Stein. Die erste Welle von Hilfsaktionen muss mit Fachkräften, die das entsprechende Werkzeug und die Erfahrung haben, gemacht werden. Dazu sind ja viele japanische und ausländische Hilfskräfte an der Arbeit. Unsere Aufgabe und die anderer Hilfsorganisationen unter anderem CRASH (www.crashjapan.com), mit denen wir zusammenarbeiten, ist es, den Leuten helfen, ihre erste Not zu lindern, mit ihnen zu reden, ihnen zeigen, dass sie nicht alleine gelassen worden sind. CHRASH hat auch schon die ersten Vorstöße gemacht, aber Fukushima und Benzin und einige andere Problem verzögern die Arbeit. Jedoch rechnen sie damit, dass sich die Hilfsaktionen über Monate hinziehen werden.  Es haben sich hunderte von Freiwilligen gemeldet und ihrer Kommandozentrale arbeiten sie vollzeitig jetzt mit über 20 Mitarbeitern, unter anderem auch einige von unserer Mission. 20:00 Heute war der erste Tag seit dem Erdbeben, der etwas ruhiger verlaufen ist. Es laufen zwar noch manche Projekte, wir bekommen immer wieder neue Nachrichten über die Lage bei Missionaren oder Gemeinden, aber es hat sich etwas beruhigt. Dazu tragen sicher auch die Nachrichten bei, die von der Fukushima Anlage kommen. Es scheint, dass es Fortschritte gibt, die Kühlanlagen mit Elektrizität zum Kühlen zu verbinden. Heute abend kurz vor 7:00 war wieder ein schweres Beben. Ca. 100 km nördlich von uns hatte es eine Stärke von 6, bei uns 4, aber es wackelte recht. Ich bin dabei, ein kurzes Video herzustellen, nicht von den Erdbebengebieten, das können die Nachrichtensender viel besser, sondern von uns, wie es uns geht. Vielleicht ist Interesse da, das anzuhören. Ich hoffe, es heute abend noch fertig stellen zu können. Nichts besonderes, nur haupsächlich unsere Köpfe und unser Erzählen.