29. März Die letzten Tage ... 26. März 16. April Gestern Abend kamen wir wohlbehalten von der fast 1.400 km langen Reise zurück. Es gibt so viel zu berichten, dass wir unser Erzählen auf einige kürzere Berichte aufteilen werden. Unsere Fahrt ging zuerst 5 Stunden Richtung Norden nach Sendai, wo wir das Lagerhaus des „Samaritan’s Purse“ besuchten. Franklin Graham ist Präsident dieser christlichen Hilfsorganisation. Viele Tonnen Lebensmittel, Kleidung und andere Hilfgüter wurden eingeflogen oder in Japan gekauft, in diesem Lagerhaus aufgeteilt und von Teams in Lastwagen in die zerstörten Orte an der Küste gebracht. Eine von der ÜMG gegründete Gemeinde liegt nur 5 Minuten zu Fuß vom Lagerhaus entfernt und die dortigen Missionare helfen mit bei der Verteilung. Bei ihnen waren wir dann zum Mittagessen, bevor wir unsere Reise nach Norden fortsetzten. Auf der durch das starke Erdbeben recht geschädigten holprigen Autobahn fuhren wir mit zum Teil 50 km/h bis zur größeren Stadt Morioka, wo wir nach einem Großeinkauf von frischen Lebensmitteln für’s Tsunamigebiet (Gemüse, Obst, Fleisch) in der Kirche eines befreundeten japanischen Pastors übernachteten. Morgens um 5 Uhr brachen wir wieder auf und erreichten nach einer 2stündigen kurvenreichen Fahrt durch die zum Teil noch schneebedeckten Berge Miyako, eine Stadt an der Küste. Die ca. 60 000 Einwohner dort hatten nach dem Erdbeben nur 7 Minuten Zeit sich in Sicherheit zu bringen, bevor der Tsunami in die Stadt schlug. Ca. 1700 Menschen verloren ihr Leben, 4700 Häuser wurden total zerstört und 4600 Leute sind noch in Evakuierungslagern untergebracht, viele andere bei Verwandten und Freunden. Pünktlich um 7 Uhr trafen wir im notdürftig eingerichteten Basislager ein zur gemeinsamen Andacht. Zwei Teams von Christen aus verschiedenen Teilen Japans waren zum Helfen da. Ein japanischer Pastor leitete die Andacht und Besprechung des für diesen Tag geplanten Einsatzes, an dem auch wir teilnehmen konnten. Durch das total zerstörte Stadtgebiet in der Nähe des Hafens fuhren wir nach Taro, einem kleinen Ort an der Küste im Norden von Miyako, der fast ganz zerstört wurde. Der Tsunami hatte hier stellenweise eine Höhe von 39m! Der Blick von oben zeigt die nur wenigen erhalten gebliebenen Häuser. In der Mitte ist die hohe Mauer zu sehen, die die Tsunami abhalten sollte. Die Versorgung im riesigen Evakuierungslager oben auf dem Berg ist schon recht gut geworden, aber die oft älteren Leute, die in den noch erhaltenen Häusern am Berghang wohnen, sind sehr dankbar für jede Hilfe. Oft haben sie kein Auto und öffentliche Verkehrsmittel sind zum Stillstand gekommen. Die Zuglinie entlang der Küste ist zerstört, Busse haben wir keine gesehen.  Hier verteilte das Team Lebensmittel und Hilfsgüter. Danach gingen wir zu den vom Tsunami getroffenen, aber noch erhaltenen Häusern und fragten, ob wir helfen könnten. In einem Haus bat man uns Kühlschränke und -truhen nach draußen zu tragen. Die Tsunami hatte das Erdgeschoss zwei Meter unter Wasser gesetzt und die Einrichtung total verdreckt und verdorben, aber das Ehepaar war mit dem Leben davongekommen. Die Frau erzählte Dorothea ihre Geschichte (links). Gleich nach dem starken Beben und der Tsunamiwarnung war ihr Mann oben auf den nahen Bahndamm gelaufen, um das Kommen des Tsunami zu beobachten, er rechnete nicht damit, dass er über die 10m hohe Schutzmauer schlagen würde und mußte mit Entsetzen sehen, wie die riesige Welle darüber hinweg schlug, alles zerstörte und auch sein Haus weiter unten am Berghang mit seiner zurückgelassenen Frau und Mutter überschwemmte. Die Frau selbst war gerade am Bett ihrer 90jährigen Schwiegermutter, als das Wasser eindrang und das Bett mit der Mutter und ihr selbst 2m hoch hoch bis kurz unter die Zimmerdecke hob. Dort auf dem auf dem Wasser schaukelnden Bett verbrachten die beiden ca. 20 angstvolle Minuten, bis das Wasser wegfloß und das Bett wieder „absetzte“. Wie froh muß ihr Mann gewesen sein, als er Frau und Mutter noch lebend vorfand! Die Leute erzählen gerne ihre Geschichte. Es gibt nicht so viele, die “von aussen” kommen und zuhören. Ein Ehepaar erzählte mir, dass sie alles verloren haben, ihr Haus, alle ihre Sachen. Sie waren dabei, nach Erinnerungen zu suchen und überglücklich, dass sie zwei Fotos gefunden hatten. Sie erzählten von nahen Verwandte die noch vermisst sind (d.h. dass ihre Leichen noch nicht gefunden wurden). Ich stieg aud die Mauer, die den Tsunami hätte aufhalten sollen und schaute mir den Ort von dort aus an. In dem vergangenen Monat sind schon viele Trümmer beseitigt worden, die Straßen sind freigeräumt, neue Strommasten werden gerade aufgestellt, aber was wird aus diesem Ort werden? Werden die Leute ihre Häuser wieder aufbauen und ihr Leben hier weiterführen - trotz drohender Gefahr eines nächsten Tsunami? In keinem der Gespräche wurde nach dem “Warum?” gefragt. Japan ist ein Land, dass mit Erdbeben und Tsunamis lebt. - So, es ist spät geworden. Der Tag heute war sehr voll, denn nach 3 Tagen weg vom Büro wartete viel Arbeit auf mich, doch jeder hat Verständnis, wenn zur Zeit manches liegenbleibt. Da ich morgen hier in der Chapel predige, verbrachte ich heute auch manche Zeit mit dem Vorbereiten der Predigt. Wir haben uns gefreut, unseren Matthias heute Abend zum Abendessen bei uns zu haben. Er hat die Woche hier in Japan gut hinter sich gebracht und manchen Fortschritt sehen können im Blick auf die entstehende evangelistische Webseite. Wir sind gespannt, diese Seite dann bald live zu sehen und beten, dass durch sie viele Japaner Gott und das Heil in Jesus kennenlernen. Morgen werde ich dann den zweiten Teil des Reiseberichts schreiben.     weiter