Die letzten Tage ...Furcht lag über Tokio vor ein, zwei Wochen, Furcht vor den unsichtbaren gefährlichen Strahlen und deren Auswirkungen! In unserm Wohngebiet waren fast keine Leute auf den Straßen, keine Kinder auf den Spielplätzen, keine Wäsche draußen zum Trocknen, die Geschäfte leer gekauft um „ Notrationen“ zu haben .... Die dunkle Wolke hat sich etwas gelüftet. Das neue Schuljahr hat begonnen, viele Mütter mit ihren Kindern, die aus Angst während der Frühlingsferien in den Süden zu Verwandten „geflohen“ waren, sind zurückgekehrt. Es ist frühlingshaft warm geworden, die Kirschblüte hat begonnen, Kinder spielen wieder draußen, die Situation in den Geschäften normalisiert sich mehr und mehr, auch Wolfgang und ich empfinden nicht mehr so stark den Druck und Stress, der zuvor auf uns lag ..... Die Situation bei den Atomreaktoren ist unverändert kritisch und trotz allen Anstrenungen nicht unter Kontrolle zu bringen, also eigentlich kein Grund zur Entwarnung. Ob man sich daran gewöhnt, mit dieser Gefährdung zu leben? Vielleicht schon ein wenig. Doch mehr und mehr hören und merken wir, wie weiterhin die Herzen der Japaner von Furcht erfüllt sind vor der unsichtbaren Gefahr. Die Schwiegermutter einer Frau aus der Gemeinde duscht ihre Enkelkinder täglich erst mal, wenn sie von draußen rein kommen, um evetuelle strahlenbelastete Partikel von ihnen abzuwaschen. In Flaschen abgefülltes Wasser ist weiterhin total ausverkauft oder begrenzt auf eine Flasche pro Person (Ich habe auch im Lauf der Tage ca. 8 Flaschen „gehortet“ für den Fall des Falles). Die Furcht vor verstrahltem Gemüse und Fisch beeinflußt das Kaufverhalten. Wenn man im Gepräch auf die Situation in Fukushima zu sprechen kommt, merkt man die innere Anspannung und Furcht, von denen viele beherrscht sind, auch wenn sie es sich äußerlich nicht anmerken lassen. Die Erfahrung der vergangenen Wochen hat mir viel zu denken gegeben. Es kommt mir vor, dass Furcht wie eine schlimme ansteckende Krankheit ist. Wenn man mit jemandem zuammen ist oder telefoniert, der erfüllt ist mit Furcht, wenn man Emails und Informationen liest mit Warnungen vor furchtbaren Scenarien, steckt das an! Einmal, als wir in unserm Krisenmamagement Team über mögliche Auswirkungen der Katastrophe sprachen, war ich so angespannt, dass ich regelrecht zitterte. Man muß sich wappnen gegen die Furcht, vor Ansteckung schützen, sonst wird unser Leben von Furcht gestimmt und gelähmt.Zur Zeit lese ich im Buch Nehemia, in dem Nehemia die Situation in Jerusalem 445 v.Chr. beschreibt nach der Rückkehr aus der Verbannung in Babylon. Die Stadt und die Stadtmauer liegen in Trümmern, die Leute sind entmutigt, Feinde wollen den Wiederaufbau verhindern – und zwar, in dem sie Furcht verbreiten! „Sie alle wollten uns furchtsam machen und dachten: Sie sollen die Hand abtun vom Werk, damit es nicht fertig werde. Da stärkte ich um so mehr meine Hände .... Ich sprach: Solle ein Mann wie ich fliehen?... denn ich merkte, dass nicht Gott ihn gesandt hatte. Denn er sagte die Weisagung ...., damit ich mich fürchten und so handeln und mich verfehlen sollte.“ (Nehemia 6,9.11-13)„Als ich ihre (der Leute) Furcht sah, sprach ich: Fürchtet euch nicht vor ihnen, gedenkt an den Herrn, der groß und furchtbar ist ...So kehrten wir alle wieder zur Mauer zurück, ein jeder zu seiner Arbeit.“ Nehemia 4,8.9)In einer gefährlichen Situation ist Furcht ein normales Gefühl. Trotzdem dürfen wir uns nicht von der Furcht ergreifen und lähmen oder in die Flucht treiben lassen. Fürchtet euch nicht! Gedenkt an den Herrn! Fürchtet Ihn, der groß und furchtbar ist! sagt uns Gottes Wort. So ist Befreiung von Furcht möglich und Vertrauen in unsern allmächtigen Gott, der die Situation und auch uns in seiner Hand hält! Das trifft nicht nur auf unsere jetzige Situation mit dem Atomreaktor zu, sondern auch in vielen andern Situationen in unserm Leben, wo Furcht, Ängste und Sorgen sich breit machen wollen. Ja, ich darf erleben wie Gott mir immer wieder meine aufkommende Furcht nimmt und sie ersetzt mit Vertrauen und Frieden. Und dann kann ich getrost am Wiederaufbau weiterarbeiten. Das wünsche ich auch euch!Eine „gute“ Seite hat die gegenwärtige Betroffenheit und Furcht: Meine japanischen Bekannten und Freundinnen sind jetzt viel offener für tiefere Gespräche und ich habe gute Möglichkeiten, ihnen an Hand der Bibel von Gott weiterzusagen, von dem Halt, der Hilfe und dem Trost, den Er schenkt inmitten von Furcht!